Bayerische Tracht - Dirndl und Lederhose

Wenn man heutzutage von Tracht spricht, dann denken viele Menschen im ersten Moment an das Dirndl und die Lederhose, also die oberbayerische Gebirgstracht.

Diese Gebirgstracht hat sich mit der Zeit auch in Gebieten außerhalb des Alpenraums verbreitet. Heute wird zwischen sechs unterschiedlichen Arten von Gebirgstrachten unterschieden:  die Berchtesgadener Tracht, die Chiemgauer Tracht, die Isarwinkler Tracht, die Inntaler Tracht, die Werdenfelser Tracht und die Miesbacher Tracht.

Als „die bayerische Tracht“ können aber auch die Gebirgstrachten nicht bezeichnet werden, da es in ganz Bayern viele Variationen der Tracht gibt, die sich von Altbayern, über Franken bis Schwaben hinweg unterscheiden. So wird neben der oberbayerischen Gebirgstracht heutzutage auch in anderen Gebieten ,wie z.B. Franken, die jeweilige Alttracht gepflegt und wiederbelebt. In Mittelfranken hat z.B. die Trachtenforschungsstelle des Regierungsbezirks eine Kollektion fränkischer Tracht entworfen.
Die Tracht ist in Bayern keine alltägliche Kleidung.  In Oberbayern und München wird sie jedoch öfters getragen, teilweise auch im Alltag. Hier ist es üblich, bei festlichen Anlässen und Feiern Tracht zu tragen.


Gredinger Trachtenmarkt 2013 1


Das Dirndl

Beim Dirndl handelt es sich eigentlich um das Arbeitsgewand von jungen Mägden („Diernen“), die auf einem Hof in Österreich oder Bayern dienten. Deshalb war dieses Kleid auch möglichst einfach; es sollte strapazierfähig sein und es wurden Leinen- oder Baumwollstoffe verwendet.  Es bestand aus einem Leiblgwand, dem heutigen Dirndlkleid, das man über dem Hemd trug. Dazu kam eine Schürze, die meist aus Bettwäsche gemacht war. Diese Arbeitskleider waren einfarbig und hatten nur selten Muster oder gar Verzierungen.


Sulzbach Woiz Kirwa 3

Erst um 1930 wandelte sich das Aussehen des  Dirndls. Frauen aus der Stadt entdeckten das Dirndl beim Urlaub oder Besuch auf dem Land und machten es für sich „stadttauglich“. Die Dirndl wurden bunter, bekamen Verzierungen und aufwändige Verarbeitungen.  Auch in Filmen aus den 60ziger Jahren, die in Bayern spielten,  wurde das Dirndl präsentiert und somit populär gemacht. Die normale trendige Mode wurde durch die Dirndl-Optik beeinflusst; Kleider wurden trachtenmässig mit Pfuffärmeln und Schürzen ausgestattet. Heutzutage ist das Dirndl wieder voll in – wer einmal das Oktoberfest im München besucht hat, kann hier eine Dirndl-Modenschau erleben. Es gibt sie in allen Variationen, von kurz bis lang, bunt oder einfarbig, schlicht oder auffallend. Tüll, Spitze, Verzierungen; das Dirndl kommt heute oft edel daher und ist teilweise leider auch überfrachtet. Der Trend geht zum individuellen Dirndl, das bunter und ausgefallener wird. Peppige Farben und neue Stoffe werden verwendet. Die Länge des Dirndls sollte mindestens knielang sein. Aber natürlich gibt es auch „Mini-Dirndls“, die in letzten Jahren wieder in waren bzw. noch in sind und die bereits in den 60er Jahren getragen wurden. Fast bodenlang war die Dirndlmode in den 1980ern. Generell geht das Dirndl natürlich mit der Mode und passt sich den aktuellen Trends an.

2010 wurde in Nürnberg anlässlich der „Trachten-Nacht“ ein besonderes Modell präsentiert: das angeblich teuerste Dirndl der Welt des Trachtenherstellers Angermaier aus München. Das schöne Stück kostet 100.000 Euro, ist aus reiner Wildseide in rot und grau und mit 150.000 Swarovski-Steinen bestückt.

 

Die Lederhose und der erste Trachtenverein

Junge in TrachtDie Lederhose ist der Klassiker für die Männer. Sie ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wieder trachtentauglich. Diese kurze Lederhose war um 1800 in Mode, etwas später dann verschwand sie wieder bis zu ihrer modischen Rückkehr. Die begann 1883, als der Lehrer Joseph Vogl  und seine Stammtischfreunde in Bayrischzell gegen die sich durchsetzenden Lodenhosen und den Verfall der Traditionen protestierten und sich deshalb althergebrachte kurze lederne Arbeitshosen anfertigen ließen. Sie schlossen sich mit ihrem Anliegen zusammen und gründeten eine Interessengemeinschaft  – den ersten bayerischen Trachtenverein. Für das Anziehen der Lederhosen erhielten sie Spott und Tadel von Kirche und Gemeinde, jedoch unterstützte König Ludwig II. diese Bewegung, da er ein  Trachtenanhänger war. In der folgenden Zeit wurde die Lederhose vom Adel bei der Jagd getragen, was natürlich wiederum dazu beitrug, dass sie nun in Mode kam. Vor allem die Operette „Im weißen Rössl“ trug zum Lederhosen-Boom bei.  Waren vor 1880 die Lederhosen lang und wurden mit Stricken in der Taille zusammengehalten, wurden sie nun mit Eichen- oder Weinlaubmotiven versehen. Edelweiß und Enzian zierten oft die Hosenträger, der Sattel war mit einem Spruch versehen, am Gesäß gab es eine runde Sattelnaht und die Bundweite konnte über einen Zwickel verändert werden. Traditionell wird die Lederhose aus Hirsch- oder Gamsleder gefertigt. Unterschiede gibt es in der Länge der Hose; anfangs war sie lang, aus dem 17. Jahrhundert stammt die Kniebundhose und bei den Sennern und Bauern im Gebirge musste die Hose kurz sein, um so die nötige Beinfreiheit zu haben. Außerdem gibt es noch die Stiefel-Lederhose mit engen Hosenbeinen und die Plattlerhose, die eng ist und kurz über dem Knie endet.  Lederhosen gelten als äußerst robust, langlebig und werden mit dem Alter immer schöner.
Auch heutzutage fertigen Handwerksmeister der Säcklerzunft diese Hosen an.  Oft handelt es sich dabei um Unikate; von der Wahl des Leders bis zum Zuschneiden und  zum Hosenträger. Getragen werden die Lederhosen dann mit den entsprechenden Wadlstrümpfen; je nach Trachtenverein variieren diese in Farbe und Muster.
Mehr Infos zum Thema Tracht finden Sie in unserem Beitrag über den Gamsbart.


Die Trachtenvereine

Heute gibt es ca. 1000 Heimat- und Volkstrachtenvereine in 25 Gauverbänden, die das bayerische Kulturgut erhalten und vor allem auch den jungen Leuten weitervermitteln. Diese Vereine organisieren ganzjährig die verschiedensten Veranstaltungen und pflegen somit das Brauchtum von der Tracht über das Schuhplatteln bis zum Volkslied.


Der Trachtenmarkt

In Mittelfranken im Landkreis Roth findet immer am ersten Wochenende im September in dem Ort Greding seit Jahren der größte Trachtenmarkt Deutschlands statt. Hier wird an fast 100 Ständen Trachtenkleidung angeboten und alles, was zum Selbstschneidern dazu gehört. Traditionsreiche Stoffe, Garne, Perlen, Knöpfe, Borten und natürlich auch Accessoires wie Tücher, Schnallen oder Gamsbärte kann man hier kaufen.
Mehr Infos finden Sie in unserem Betrag über den Gredinger Trachtenmarkt.

Tracht Bad Tlz

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Weitere Informationen unter

Bayerischer Trachtenverband e.V.
Bayerischer Trachtenverband
unter dem Link „Trachtenpflege und Trachtenforschung“ finden Sie weitere Informationen.
Bayerischer Trachtenverband Trachtenkulturmuseum
Hier ist die Plattform des Trachtenkulturmuseums

Deutscher Trachtenverband e.V.
Deutscher Trachtenverband


Wichtige bayerische Gauverbände der Trachtenvereine
Oberpfälzer Gauverband
Trachtenverband Unterfranken
Bayerischer Waldgau
Dreiflüsse-Trachtengau Passau
Chiemgau Alpenverband für Tracht
Donau-Gau-Trachtenverband (Ingolstadt)
Niederbayerngau
Oberer Lechgau Verband
Altbayrisch-Schwäbischer Gauverband
Isargau (München)
Volkstrachtenvereine links der Donau (Donau-Ries und Mittelfranken, mit Sitz in Nürnberg)
Rhein-Main-Gauverband
Allgäuer Gauverband
Heimat- und Trachtenvereinigung Huosigau (Dießen)
Lechgau Trachtenverband
Trachtengauverband Oberfranken
Oberlandler Gauverband  (Region Bad Tölz, Tegernseer Tal, Miesbach)
Gauverband 1 Traunstein

Trachteninformationszentrum im Bezirk Oberbayern
Michael-Ötschmann-Weg 2
83671 Benediktbeuern
Trachteninformationszentrum
Im Trachteninformationszentrum sind über 20.000 Bilder und  4000 Original-Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Epochen zu sehen. Außerdem ist eine umfangreiche Bibliothek vorhanden. Das Zentrum in Benediktbeuern gilt weltweit als einzigartig.
Hier finden Sie u.a. unter dem Link „Trachten-Kontor“ Adressen der Handwerker, die sich auf die Herstellung und den Verkauf von Trachten und deren Zubehör spezialisiert haben, wie z.B. Haubenmacherinnen, Federkielstickereien,  Hornmacher, Hutmacher,  Schuhmacher, Restaurierer und natürlich Hersteller von Lederhosen (Säcklermeister) und Dirndln.

Historisches Lexikon Bayerns
(Angebot der Bayerischen Staatsbibliothek)
Historisches Lexikon Bayerns

Trachtenforschungsstelle Mittelfranken
Trachtenforschung

Bauernmuseum Bamberger Land
Trachtenberatung Oberfranken